Homeoffice oder gemietetes Büro?

Die meisten, die sich mit der gleichen oder einer ähnlichen Tätigkeit wie ich selbstständig machen, werden wohl zuerst Zuhause ein Büro einrichten und von dort aus arbeiten. Das tat ich auch. In Stuttgart hatte ich zwei Jahre lang einen Teil meiner Einzimmerwohnung zum Büro gemacht und von dort aus gearbeitet. Als wir nach Hamburg umgezogen sind, bot sich mir die Möglichkeit, ein Atelier anzumieten und da wir in einem kleinen Zimmer wohnten, in dem kein Platz für einen Arbeitsplatz war, nahm ich die Gelegenheit dankend an. Endlich ein eigenes Büro, ein Arbeitsweg (wenn auch nur ein kurzer ins Haus nebenan), die Türe zum Schreibtischchaos abends zuschließen können und abschalten! Weil wir bald in einer große Wohnung ziehen werden, werde ich wieder von Zuhause arbeiten. Dieses mal aber in einem eigens dafür vorgesehenen Zimmer. In diesem Artikel möchte ich über meine Erfahrungen berichten und für mich die Frage beantworten: Homeoffice oder angemietetes Büro?

Arbeiten im Homeoffice

Wie gesagt – zwei Jahre arbeitete ich von Zuhause. In einer Einzimmerwohnung wurde eine Ecke zum Büro deklariert. Kunden empfing ich dort nicht, traf mich mit ihnen in Cafés oder Restaurants, aber ich arbeitete fast täglich am Schreibtisch: Bildbearbeitung, Kundenkommunikation, Buchhaltung, Organisation von Terminen etc. Und das hat gut funktioniert. Mit Hilfe meiner Routinen schaffte ich es, einen Arbeitsalltag zu etablieren, Zeiten einzuhalten und mich nicht zu sehr von Privatem ablenken zu lassen. Aber irgendwie ist es dann ja doch gemütlich, die Mittagspause auf dem Sofa zu verbringen und ein Stündchen länger liegen zu bleiben oder etwas später anzufangen. Und es fehlte wirklich eine Tür. Obwohl mein Arbeitsplatz um die Ecke stand, konnte ich ihn vom Flur und Essbereich aus sehen. Beim Abendessen die offenen To-Dos und die Papierstapel auf dem Schreibtisch (manchmal gibt’s die!) liegen zu sehen, macht Abschalten schwierig. Wenn man allerdings etwas vergessen hat, noch schnell etwas erledigen muss oder länger arbeitet, dann ist der Weg von oder nach Zuhause – also in die andere Hälfte der Wohnung – nicht weit, das hat durchaus Vorteile.

Kurz zusammengefasst komme ich also zu folgenden Vor- und Nachteilen für Homeoffices:

Vorteile des Homeoffices:
  • Es ist kostengünstig.
  • Der Weg zur Arbeit ist kurz.
  • Die Öffnungszeiten und somit Arbeitszeiten sind flexibel.
  • Die Umgebung ist nach den eigenen Wünschen gestaltbar.
Nachteile des Homeoffices:
  • Die Ablenkung durch Privates ist höher.
  • Der Abstand zur Arbeit ist gering, Abschalten fällt schwerer.
  • Der Empfang von Kunden könnte schwierig sein.
  • Man hat keinen persönlichen Kontakt zu Kollegen und ist etwas isoliert.

Arbeiten in einem gemieteten Büro

Und dann zogen wir nach Hamburg und ich durfte eine Hausnummer weiter in einer Ateliergemeinschaft ein kleines Atelier mieten. Mein erstes richtiges Büro. Winzig klein, aber unheimlich charmant und schön. Ich schaffte mir ein passendes Arbeitsumfeld mit den nötigsten Möbel und Utensilien und stapfte fast täglich die Treppenstufen hoch, um mich an die Arbeit zu machen. Das fühlte sich irgendwie erwachsen und so richtig, richtig selbstständig an. Geld auszugeben für einen Raum motivierte mich dazu, ihn auch optimal zu nutzen. Der Austausch mit den Kollegen (in den anderen Ateliers arbeiten unter anderem weitere Grafikdesigner und zwei Hochzeitsfotografen) war schön und bereichernd, aber manchmal auch auslaugend. Tag für Tag über die Arbeit zu sprechen, andere Themen ganz zu vergessen – das gefiel mir nicht. Trotzdem genoss ich es, in unserem Wohnraum keinerlei Arbeit liegen zu haben und mein Privatleben fern von der Arbeit erleben zu können.

Und auch hier habe ich euch meine Vor- und Nachteile kurz zusammengefasst:

Vorteile des angemieteten Büros:
  • Sich vor der Arbeit vernünftig zurechtzumachen und anzuziehen motiviert.
  • Der Austausch mit den Kollegen ist bereichernd und kann zu Aufträgen führen.
  • Abschalten fällt Zuhause leicht, wenn die Arbeit nicht nebenan passiert.
Nachteile des angemieteten Büros:
  • Es ist ein zusätzlicher Kostenaufwand.
  • Die Entfernung zum Zuhause könnte ein Nachteil sein und am Hingehen hindern.
  • Die Anwesenheit von Kollegen kann auch mal anstrengend sein und von der Arbeit abhalten.

Mein Fazit:

Beide Varianten waren nicht die Richtigen für mich. Weder noch. Und das merkte ich schon in den ersten Wochen im Homeoffice in der Einzimmerwohnung in Stuttgart und in den ersten Tagen im Atelier in Hamburg. Ich brauche ein Zwischending! Deshalb bin ich sehr zuversichtlich und freue mich darauf, mein eigenes Arbeitszimmer in der neuen Wohnung auszuprobieren. Ich bin und arbeite gerne alleine, wenn ich das Gefühl habe, nicht allein sein zu wollen, dann habe ich immer noch die Möglichkeit, mich zum Coworking zu verabreden und mich dort mit Kollegen über Erfahrungen und aktuelle Aufträge auszutauschen. Ich mag die Nähe zu den Wohnräumen, Mittagessen kochen zum Beispiel oder im Mittagstief eine Pause im Wohnzimmer einlegen, das tut mir gut. Und dann ist da ja auch noch Mina, die in unserer Dreizimmerwohnung tagsüber viel mehr Platz haben wird als hier im kleinen Atelier. Also: Ja zum Homeoffice! Ohne eine Tür zum Arbeitszimmer und mit stets offenem Blick auf den Schreibtisch möchte ich allerdings nicht mehr arbeiten. Ich denke, ich habe die perfekte Lösung für mich gefunden und kann es kaum abwarten, loszulegen.

Wie geht es euch damit? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Ich freue mich auf den Austausch mit euch.

1 reply on “ Homeoffice oder gemietetes Büro? ”
  1. Super Gedanken. Ich habe seit 6 Monaten ein Arbeitszimmer, allerdings wünsche ich mir gerade ein Büro außerhalb der eigenen Wohnung. Bin gespannt über deinen Erfahrungsbericht zum Thema Arbeitszimmer 🙂

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